„Die Familie in der Nähe zu haben – das ist mir mehr wert als ein Sechser im Lotto“
Sabrina Busse, 37 Jahre, Godelheim

Sie wollte mit ihrer Familie andere Wege gehen – wahrhaftig und im übertragenen Sinne. 2018 kehrte Sabrina Busse, 37, darum zurück in die neue, alte Heimat Godelheim. Hier erzählt sie über Glück und Stolpersteine bei der Rückkehr

                 

Erzähl doch mal ….

Ich habe meine Heimat Godelheim 2003 im festen Glauben verlassen, nie wieder zurückzukehren. Und tatsächlich blieb ich lange fern: studierte in Kaiserlautern Innenarchitektur, verbrachte einige Zeit in Schottland, lebte in Hamburg, dann in der Schweiz. Und nun? Bin ich doch wieder da. Seit Februar 2018 lebe ich mit meinem Mann und unseren beiden Ladies wieder in der alten Heimat. Wir haben uns hier das Elternhaus meines Vaters umgebaut. Und ich mir eine neue Existenz aufgebaut. Vor einem Jahr habe ich meinen mobilen „Unverpackt-Laden“ eröffnet, mit dem ich nun über die Wochenmärkte fahre.

Was gab den Anstoß zurückzukehren?

Es waren die Geburten unserer beiden Kinder. Uns fehlten Platz, Unterstützung und vor allem die Großeltern; wir wollten gern, dass die Mädchen mit und bei ihnen aufwachsen. Den entscheidenden Stups gab dann die anstehende Einschulung unserer Großen: Sie hätte von da an vor allem Schwyzerdütsch gesprochen; es fühlte sich fremd für uns an. Wir vereinbarten: Sobald mein Mann einen Job in der alten, neuen Heimat hat, gehen wir. Wir organisierten von der Schweiz aus die Bewerbungen, zu den Gesprächen fuhr mein Mann während der Elternbesuche. Am 26. November bekam er eine Zusage, im Februar zogen wir um.

Wie sieht das Leben in der neuen, alten Heimat wirklich aus?

Wir haben als Familie viel gewonnen! An den Wochenenden übernachten die Mädchen oft bei meinen Eltern, sodass mein Mann und ich gemeinsam Zeit verbringen, etwas unternehmen können. Anderes ist schwerer als gedacht. In den 15 Jahren, in denen ich fort war, hat sich vieles getan: auf dem Land, im alten Freundeskreis, auch eigene Sichtweisen und Prioritäten haben sich verschoben. Man kann darum nicht einfach an das anknüpfen, was man mit 20 zurückgelassen hat. Alte Freundschaften beleben, neue aufbauen: Das dauert.

Was fehlt vom alten Leben?

Einfach rausgehen und ohne großen Aufwand Kultur erleben und neue Leute mit spannenden Sichtweisen kennenlernen zu können.

Wie holst Du Dir etwas vom alten ins neue Leben?

Durch meinen mobilen Laden bin ich fast täglich unterwegs – und in Kontakt mit Kunden, denen Themen wie Müllvermeidung, Nachhaltigkeit, Regionalität ebenfalls sehr wichtig sind. Die kurzen Gespräche mit ihnen, ihre Treue, das macht schon viel wett. Und manchmal brechen wir dann auch einfach auf nach Hamburg, zu Freunden, da hole ich mir dann meine Dosis Großstadt.

 

Größter Stolperstein bei deiner Rückkehr?

Ich selbst. Ich habe lange gebraucht, mir klar darüber zu werden, wo ich mich – als Innenarchitektin – hier auf dem Land wiederfinde. Ich schrieb einige Bewerbungen, entwickelte dann aber parallel die Idee des Unverpacktladens. Über ein Jahr lief beides parallel. Irgendwann musste ich springen. Ich sagte mir, kurz vor Corona: Wenn es mit diesem Job nicht klappt, mache ich mich selbstständig. Ich bekam eine Zu-, wegen der Pandemie dann doch noch eine Absage. Und legte los …

Größter Glücksmoment bei deiner Rückkehr?

Mich umgibt so ein grundsätzliches Glücksgefühl – weil meine Familie in der Nähe ist, weil vieles „mal eben“ möglich ist, was vor ein paar Jahren unmöglich war: zu den Eltern gehen, den Bruder zum Kaffee empfangen. Das ist für mich mehr wert als ein Sechser im Lotto.

Ultimativer Rückkehrer-Tipp?

Gebt euch Zeit anzukommen.