Lenken und denken
Unterwegs mit Busfahrerin Petra Beverung (Risse Reisen / HochstiftBewegt)

Petra Beverung ist die Erste im Bus. Wenn Sie morgens um 5.15 Uhr in Höxter den Schlüssel dreht, erwacht ihr großer, brummender Begleiter, der Kinder zur Schule bringt, Pendler zur Arbeit fährt und Geschichten von A nach B trägt.

Seit zwölf Jahren sitzt sie am Steuer eines Linienbusses. Ihr Weg dorthin war kein gerader. Petra Beverung hat zuvor in anderen Berufen gearbeitet, bevor sie sich für eine Umschulung entschied. Die Ausbildung heißt Berufskraftfahrerin und dauert in der Regel drei Jahre. Wer sie abschließt, erwirbt damit ebenfalls einen Personenbeförderungsschein. Erst damit darf man Fahrgäste mitnehmen und trägt Verantwortung für ihre Sicherheit. Auch ihr jetziger Arbeitgeber Risse Reisen in Höxter, der für die neue ÖPNV-Marke HochstiftBewegt als Verkehrsunternehmen unterwegs ist, bildet diesen Beruf regelmäßig aus. Aktuell gibt es hier drei Azubis, die in Brakel zur Berufsschule gehen und im Betrieb lernen.

Ihre ersten Buslinien lenkte sie durch Kassel und Göttingen. Viel Verkehr, dichte Abläufe, zahlreiche Radfahrer und ein anderes Tempo. Dann kam die Liebe. Und mit ihr der Wechsel nach Höxter. Hier stieß sie auf das Unternehmen Risse Reisen, das ihr vom ersten Tag an zusagte. Nicht nur die Organisation überzeugte sie, sondern auch das Vertrauen, das man ihr entgegenbrachte. Was sie an ihrem Beruf besonders schätzt, ist die Mischung aus Struktur und Eigenständigkeit. Der Fahrplan gibt den Rahmen vor, doch innerhalb dieser Linien ist sie verantwortlich. Sie tankt ihren Bus selbst, fährt ihn in die Waschhalle, kennt jede technische Routine und erledigt auch Bürotätigkeiten. Lenken und denken gehören für sie zusammen. Jeder Tag ist vielfältig und selbstbestimmt, auch wenn er manchmal früh beginnt.

Mittlerweile hat Petra Beverung alle Linien im Kopf. Sie weiß genau, wo sie anhalten muss, wo sich Straßen verengen, wo Kinder morgens etwas verschlafen an der Haltestelle stehen. Nur einmal hat sie sich verfahren. In Lüchtringen geriet sie in eine Sackgasse. Fünfzehn Minuten lang manövrierte sie den Bus vorsichtig zurück. Eine dieser Situationen, in denen man ruhig bleiben muss, auch wenn der Puls schneller schlägt und der Fahrplan ins Wanken gerät.

Was sie glücklich macht, sind die leisen Momente im Alltag. Wenn Fahrgäste die Tageszeit nennen. Wenn sich jemand bedankt oder sogar ein Lob ausspricht. Gerade im Kreis Höxter erlebt sie viel Freundlichkeit. Viele Kinder sagen selbstverständlich Guten Tag und Danke. Das, sagt sie, sei ein spürbarer Unterschied zu den Städten, in denen sie zuvor gefahren ist.

Und es gibt diese besonderen Augenblicke, die sich nicht planen lassen: ein Sonnenaufgang, der die Felder in warmes Licht taucht. Ein Reh am Straßenrand. Ein weiter Blick ins Wesertal. Ihr Arbeitsplatz ist kein Büro, sondern eine Landschaft im Wandel der Jahreszeiten.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Wenn Fahrgäste sich nicht benehmen können, trifft sie das. Und für den Busverkehr insgesamt hofft sie auf bessere Straßen. Manche Abschnitte seien in einem Zustand, der mit einem großen Fahrzeug besondere Vorsicht erfordert. Wenn ihr Bus sprechen könnte, würde er sich vermutlich auch über die vielen Elterntaxis ärgern, die an Schulhaltestellen den Weg versperren. Gleichzeitig würde er erzählen, wie gern er mit seiner Fahrerin unterwegs ist. Wie viel er sehen darf. Wie schön es ist, durch das Weserbergland zu fahren, statt zwischen grauen Häuserzeilen im Kreis. Am Ende bleibt eine klare Erkenntnis: Busfahren ist weit mehr als ein Fahrzeug von A nach B zu bewegen. Es ist ein Beruf mit Verantwortung, mit Technik, mit Organisation und mit Menschen. Er verlangt Konzentration, Entscheidungsfreude und Verlässlichkeit. Und er schenkt Selbstständigkeit, Abwechslung und jeden Tag neue Perspektiven.

Für Petra Beverung steht deshalb fest: Busfahren ist ein toller Beruf. Einer, der lenken und denken verbindet und dabei weit mehr bewegt als nur Räder auf Asphalt.

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