Papa-Portal
Wo Väter wachsen dürfen

Vater werden verändert vieles – aber längst nicht alles ist klar geregelt. Während Angebote für Mütter selbstverständlich sind, fühlen sich viele Väter im Dschungel aus Informationen, Erwartungen und Rollenbildern noch immer kaum direkt angesprochen. Mit dem PapaPortal hat donum vitae im Kreis Höxter eine Plattform geschaffen, die genau hier ansetzt: niedrigschwellig, alltagsnah und mit dem Blick auf die Lebensrealität von Vätern. Im Interview spricht Roman Maria Höritzsch darüber, warum es spezielle Angebote für Väter braucht, welche Fragen werdende Väter heute bewegen und wie Partnerschaft, Beruf und moderne Vaterschaft neu gedacht werden können.

 

Herr Höritzsch, warum braucht es ein spezielles Angebot für Väter – und was unterscheidet Ihre Arbeit im PapaPortal von klassischen Familien- oder Elternberatungen?

 

Zunächst einmal gibt es allgemein kaum Angebote, die Väter oder werdende Väter direkt ansprechen, was dazu führt, dass Väter sich eben nicht angesprochen fühlen. Oft wird angeführt, dass dies daran liegt, dass es keine Nachfrage nach solchen spezifischen Angeboten gibt. Als Erklärungen werden dann Männlichkeitsvorstellungen und sozioökonomische Faktoren genannt. Da ist auch was dran. Ich denke aber trotzdem, dass diese Henne-Ei-Problematik, also die Frage ob Väter sich nicht für solche Angebote interessieren, weil es sie nicht gibt oder dass es die Angebote nicht gibt, weil Väter sich nicht dafür interessieren, noch nicht ganz beantwortet ist.

 

Im Vergleich zu den klassischen Angeboten der Elternberatung ist zu sagen, dass das PapaPortal in erster Linie ein Informationsangebot für Väter ist, das super niedrigschwellig gedacht ist. Mit dem PapaChat haben wir zwar auch ein Beratungsangebot in die Plattform integriert, aber insgesamt stehen Informationen zu möglichen Vater-Kind-Aktivitäten in der Region konzeptionell im Vordergrund. Insofern sehen wir das PapaPortal als Ergänzung zu schon bestehenden Angeboten.

 

Viele Männer sagen, dass sie erst mit der Geburt des Kindes „wirklich Vater“ werden. Welche typischen Fragen oder Unsicherheiten bringen Väter in dieser Phase zu Ihnen?

 

Die Idee, dass Männer erst mit der Geburt „wirklich“ in die Vaterschaft starten, ist meines Erachtens ein Mythos. Auch schon in der Schwangerschaft gibt es viele Möglichkeiten mit dem Kind und der eigenen zukünftigen Rolle in Kontakt zu treten. Sei es über intensive Gespräche mit der Partnerin, der Renovierung des Kinderzimmers oder aber auch durch den Besuch unseres Crashkurses „Vater werden!“. In der Schwangerschaft werden viele Weichen gestellt und ich nehme es so wahr, dass das eigentlich allen werdenden Vätern klar ist und auch aktiv von ihnen bearbeitet wird.

 

Typische Fragen, die mich erreichen, beschäftigen sich hauptsächlich mit finanziellen Fragestellungen – also um die Themen Elterngeld, Elternzeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

 

Stichwort Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Das ist ein Thema, das meistens mit Müttern verbunden wird. Wie erleben Sie die Rolle von Vätern – und welche Erwartungen haben Väter heute an sich selbst?

 

Schon in Studien aus den 1980er Jahren ist zu sehen, dass sich nach der Geburt in der Regel eine traditionelle Rollenverteilung durchsetzt, auch wenn Paare sich grundsätzlich eine gleichberechtigte Aufteilung der Familienarbeit wünschen. Daran hat sich bis heute nichts geändert und sicherlich sind hier auch sozioökonomisch Gegebenheiten zentral, für dieses strukturelle Beharrungsvermögen. Daher kann man mit Philip Krüger durchaus davon sprechen, dass Männer oft in der Vollzeitfalle sitzen. Das ist erst einmal unabhängig von den Erwartungen die Väter aber auch Mütter haben, da die finanziellen Notwendigkeiten wenig Spielraum lassen. Zumindest wird das anscheinend so wahrgenommen.

 

Welche Rolle spielt dabei das Thema Partnerschaft – etwa, wenn es darum geht, Verantwortung fair zu teilen oder Rollenbilder neu auszuhandeln?

 

Eine zentrale Rolle, würde ich sagen. Die eben angesprochenen Notwendigkeiten sind verhandelbar. Wenn Paare sich zusammensetzen und besprechen, was ihnen im Leben wichtig ist, kann auch das berufliche Arrangement entsprechend gestaltet werden. Das in Deutschland vorherrschende Modell von Vollzeitvater und Teilzeitmutter ist ja nicht gottgegeben. Schaut man ins europäische Ausland sieht man, dass auch andere Modelle erfolgreich gelebt werden können, wie zum Beispiel das niederländische Modell, in dem beide Eltern in der Regel eine Dreiviertelstelle haben. Da sind vielleicht auch die Arbeitgeber gefordert, auch mit Blick auf Demographie und Fachkräftemangel, passende Ideen zu entwickeln, was in einer stark durch Landwirtschaft und Handwerk geprägten Region bestimmt eine besondere Herausforderung ist.

 

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wie könnte eine vätergerechte Familienpolitik und -kultur im Kreis Höxter aussehen – und welchen Beitrag kann das PapaPortal dazu leisten?

 

Ich würde mir natürlich wünschen, dass Familienpolitik und damit einhergehend die Bedürfnisse von Kindern – engagierte Väter zu haben gehören eben dazu – insgesamt stärker in den Blick genommen wird. Ob das PapaPortal da einen politischen Beitrag leisten wird, kann ich nicht beantworten. Die Idee hinter unserem Projekt ist aber, dass Väter wichtig sind für ihre Kinder – und zwar nicht nur als Hauptverdiener in der Familie. Durch den Fokus des PapaPortals auf Aktivitäten mit Kindern soll die Botschaft stark gemacht werden: Verbringt mehr Zeit mit euren Kindern! Vor allem: verbringt mehr qualitativ hochwertige Zeit mit euren Kindern, z.B. in der Natur oder mit aktivem Spiel!

www.papaportal-hoexter.de