Pfingsten: Orange Blossom Special!
Ein Festival, das Familie kann

Pfingsten in Beverungen. Gitarrenklänge wehen über den Grünen Weg bis hinunter ans Weserufer. Auf den Straßen sind ungewöhnlich viele Menschen mit Kindern unterwegs. Fremde Gesichter, vertraute Stimmung, überall dieses entspannte, offene Lächeln: Orange Blossom Special, kurz OBS. Das OBS ist kein Kinderfestival. Und doch eines, das Familien seit Jahren ganz selbstverständlich mitdenkt. Wer verstehen will, warum das OBS heute als eines der familientauglichsten Festivals Deutschlands gilt, muss mit Rembert Stiewe sprechen. Gründer, Macher, Kopf hinter dem OBS. Mittlerweile selbst stolzer Opa. Einer, der das Festival nicht nur organisiert, sondern über Jahrzehnte hinweg begleitet und weitergedacht hat.

Gewachsen statt geplant

Als das OBS 1997 startete, dachte niemand an Wickelzelte oder Jugendtickets. Das Publikum war überschaubar, männlich, musikverliebt. Nachhaltigkeit spielte noch keine Rolle. Familienfreundlichkeit schon lange nicht.

Dann passierte das Leben. Die erste Besuchergeneration bekam Kinder und brachte sie einfach mit. Auch im Team änderten sich die Dinge. Parallel öffnete sich das Booking, sprach andere Altersgruppen an. Aus einem Szene-Treffen wurde ein generations-übergreifendes Wochenende. Heute reicht die Altersspanne von 7 bis 70. Und darüber hinaus.

„Es gab keine Strategie“, sagt Stiewe. „Es ist passiert.“

Was für das OBS-Team allerdings Strategie wurde, war die Frage: Was stört uns an anderen Festivals? Zu lange Schlangen. Zu wenig Schatten. Zu wenige Sitz- und Ruheplätze. Zu viel Müll. Also machte man es anders. Kürzere Wege. Mehr Service. Mehr Bewusstsein. Schritt für Schritt.

Stiewe erinnert sich an die Anfangsjahre, als man knöchelhoch in Einwegbechern stand. „Das war Mist.“ Aus diesem Moment entstand der Wille, Verantwortung zu übernehmen. Heute gehören über 70 Einzelmaßnahmen zum nachhaltigen Konzept des Festivals. Nicht perfekt, aber konsequent. Die größte Herausforderung bleibt die individuelle Anreise der Gäste. Auch das spricht Stiewe offen an.

Kinder gehören dazu

Das OBS ist ein Festival der kurzen Wege. Übersichtlich, kompakt. Für Familien ist das Gold wert. Eltern behalten den Überblick, Kinder verlieren sich nicht im Gedränge. Auch beim Ticketing denkt man pragmatisch: Kinder bis zwölf Jahre kommen kostenlos rein. Für Jugendliche gibt es „13–18“-Tickets, ergänzt durch Sozialtickets. So wird aus dem Gedanken an ein Festivalwochenende kein Rechenexempel.

Familientauglichkeit heißt beim OBS nicht, dass Kinder irgendwo zwischengeparkt werden. Sie haben ihren Platz im Programm. Mit KEKSE & KAKAO steht auch 2026 wieder ein eigener Act für Kinder auf der Bühne. Dazu kommen CuCiCo Mitmachzirkus, Spiel-Aktionen der KjG, Sandkasten, Mini-Karussell, Kinderschminken, OBS-Ausmalbilder.

Wer kreativ sein will, gestaltet gebrauchte T-Shirts beim Textilmalen oder bastelt beim Upcycling neue Lieblingsstücke. LADUKA lädt zur Mitmachkunst ein. Beim „Spiel des Überlebens“ werden Umweltthemen spielerisch entdeckt. Es gibt Kräuterwanderungen, Familien-Workshops und Vogelbeobachtungstouren mit ausgebildeten Ornithologen. „Kinder sind die kritischsten Menschen im Publikum“, sagt Stiewe. Ihre Reaktion ist direkt und ungefiltert. Wenn sie sich wohlfühlen, merkt man das sofort. Wenn nicht, auch.

Service, der Details mitdenkt

Was das OBS von vielen anderen Open Airs unterscheidet, sind die Details: Kostenloser Gehörschutz für Kinder. Kostenlose Sonnenschutzmittel. Ein Wickel- und Stillzelt. Eine grüne Campingzone mit nächtlicher Ruhe. Gratis-Trinkwasser. Fünf beleuchtete Familientoiletten mit Kinder-Toilettensitzen und Tritthockern. Jedes Kind erhält ein Textil-Festivalarmband und gehört damit zur OBS-Gemeinschaft. Zusätzlich gibt es Armbänder mit Platz für Namen und Telefonnummern. Falls man sich aus den Augen verliert, findet man schnell wieder zusammen.

Und selbst hinter der Bühne hört das Konzept nicht auf. Für die Kinder der Crew gibt es die Kita „ÖBSchen“, betreut von Erzieherinnen und Erziehern. So können Eltern arbeiten oder Konzerte genießen. Familie endet hier nicht am Backstage-Tor.

Haltung als Fundament

Familientauglichkeit ist beim OBS kein isoliertes Projekt, sondern Teil einer größeren Haltung. Viva con Agua, Melanom-Info Deutschland e.V., Music Declares Emergency, regionale Produkte im Catering, Upcycling-Angebote, eigene Arbeitsgruppen für ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Vielleicht liegt das Geheimnis des Orange Blossom Special genau darin: Es wirkt nicht wie ein Konzeptpapier, sondern wie ein organisch gewachsenes Gefüge, in dem unterschiedliche Strömungen aufgenommen werden und in dem man aufeinander aufpasst. Ganz so wie in einer Familie.

Das 28. Orange Blossom Special findet wieder vom 22. bis 24. Mai 2026 in Beverungen statt. Ein Wochenende, das zeigt, dass große Musik und kleine Menschen wunderbar zusammenpassen.

Programmhinweise und Tickets: https://orangeblossomspecial.de/