
Daniel Schlickwei
Vision wird Wirklichkeit
Wie Rückkehrer Daniel Schlickwei Menschen neu zusammenzubringen will
Zwischen Werkzeug, Baumaterial und unfertigen Wänden treffen wir Daniel Schlickwei in der Nicolaistraße in Höxter. Auf dieser Baustelle erzählt er uns von dem Ort, der hier gerade entsteht: P3 Sports & Physio. Vieles davon hat er selbst geplant, vieles wird selbst erledigt. Man merkt schnell: Daniel hat genaue Vorstellungen davon, wie es hier einmal aussehen soll. Und davon, wie er arbeiten möchte.
Eigentlich passt die Baustelle deshalb ziemlich gut zu seiner Geschichte. Denn Daniel ist jemand, der Dinge nicht einfach so hinnimmt. Er hat eine Idee davon, wie etwas sein könnte. Und dann macht er sich daran, es umzusetzen. Daniel baut also gerade nicht nur ein Studio. Er baut sich ein Arbeitsleben, das zu seinen Vorstellungen passt. Und gleichzeitig einen Ort, an dem andere Menschen zusammenkommen können.
Neue Perspektiven. Ideen. Ansprüche.
Nach dem Abitur in Brakel führte ihn das Leben erst einmal raus aus der Heimat. Er jobbte, reiste und begann schließlich ein Studium in Wien. Aus International Business wurde Sportwissenschaft. Fünf Jahre lebte Daniel in der österreichischen Hauptstadt, bevor es ihn für die Ausbildung zum Physiotherapeuten nach Frankfurt zog.
Drei Jahre an der Universitätsklinik, anschließend verschiedene berufliche Stationen in Köln und Karlsruhe: Daniel lernte unterschiedliche Menschen, Arbeitsweisen und Lebensmodelle kennen. Vor allem aber lernte er, was er selbst einmal machen wollte und was nicht. Dabei geht es ihm auch fachlich um einen Anspruch, der ihn bis heute begleitet: nicht stehen zu bleiben.
Als Sportwissenschaftler und Physiotherapeut möchte Daniel seine Arbeit nicht auf dem Wissensstand von gestern aufbauen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, aktuelle Trainingsmethoden und Entwicklungen in der Physiotherapie gehören für ihn selbstverständlich dazu. Was heute als richtig gilt, muss nicht für immer richtig bleiben. Für Daniel bedeutet Professionalität deshalb auch, Gewohntes zu hinterfragen, Neues zu lernen und Erkenntnisse in die eigene Arbeit einfließen zu lassen.
Vielleicht ist das auch ein Grund, warum er so viele verschiedene Stationen gesucht hat: Er wollte sehen, ausprobieren und verstehen. Irgendwann stellte sich gemeinsam mit seiner Freundin, die ebenfalls aus der Region kommt, eine andere Frage:
„Wo wollen wir eigentlich leben? Wo wollen wir ankommen? Und irgendwann wurde aus der offenen Frage eine ziemlich konkrete Antwort: Höxter könnte passen.“
Nicht allein wegen der Heimat. Familie spielte eine Rolle, natürlich. Seine Eltern leben noch in der Region. Aber mindestens genauso wichtig war etwas anderes: die Menschen aus seinem alten Umfeld. Immer mehr Freunde und Bekannte waren ebenfalls zurückgekehrt oder gerade dabei, zurückzukommen. Alte Freundschaften wurden wieder enger, neue Kontakte entstanden. Aus einzelnen Rückkehrern wurde langsam wieder ein Netzwerk.
Leichtigkeit. Offenheit. Anschluss.
So sehr er seine Heimat schätzt, so klar sieht Daniel auch eine Seite, die ihn manchmal stört. Ostwestfalen sei nicht unbedingt dafür bekannt, dass Fremde sich innerhalb von fünf Minuten gegenseitig ihre Lebensgeschichte erzählen. Man kennt sich. Man bleibt aber gerne unter sich. Und außerhalb der eigenen Bekanntschaften braucht es manchmal einen ziemlich langen Anlauf, bis ein Gespräch überhaupt entsteht.
„Mir fehlt manchmal diese Leichtigkeit. Dass das Leben draußen stattfindet.“
In größeren Städten sei es selbstverständlicher, irgendwo hinzugehen, Menschen anzusprechen, spontan jemanden kennenzulernen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Man muss nicht erst seit zehn Jahren dazugehören, um Anschluss zu finden oder den Terminkalender zücken, um Treffen zu planen.
Genau dieses Gefühl möchte Daniel auch hier möglich machen. Nicht als Kritik an der Heimat, sondern als Idee für das, was noch entstehen könnte: mehr Offenheit, mehr Begegnung, mehr Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Orte, an denen man nicht erst jemanden kennen muss, um dazuzugehören.
Sport ist der Anlass. Gemeinschaft ist das Ziel.
Schnell kam der Gedanke: Warum eigentlich nicht selbst einen solchen Ort schaffen? So entstand RUCY, ein offener Running- und Cycling-Club für die Region. Laufen und Radfahren sind der gemeinsame Nenner. Aber eigentlich geht es um etwas Größeres: Menschen zusammenzubringen. Gemeinsam aktiv zu sein. Sich kennenzulernen. Und nach dem Sport nicht sofort wieder nach Hause zu fahren.
Dasselbe Prinzip steckt auch in Daniels beruflicher Vision. Mit P3 Sports & Physio baut er gerade seinen eigenen Weg auf. Physiotherapie, Bewegung und Begegnung sollen hier zusammenkommen. Und auch das Studio soll mehr sein als ein Ort, an dem man einen Termin wahrnimmt und wieder geht. Im vorderen Bereich ist deshalb eine Lounge geplant. Ein Platz zum Sitzen, Reden, Kennenlernen. Ein Ort, an dem aus einem Kurs vielleicht ein Gespräch und aus einem Gespräch eine neue Bekanntschaft entstehen kann.
P3 – Sports & Physio Höxter: Premium Training & Therapie
Und dann ist da jemand, der anfängt, daraus Wirklichkeit zu machen.
Vielleicht ist genau das eine der großen Chancen von Rückkehr: Menschen kommen mit einem vollen Rucksack zurück. Nicht nur mit Erinnerungen an ihre Heimat, sondern mit dem, was sie unterwegs gelernt, gesehen und ausprobiert haben. Neue Ideen.
Damit daraus etwas entstehen kann, muss eine Region diese Ideen auch zulassen. Rückkehrer brauchen nicht nur eine offene Tür, sondern Chancen, Vertrauen und den Raum, Dinge auszuprobieren. Nicht jede Idee wird hier so funktionieren wie in der Stadt. Aber sie sollte die Möglichkeit bekommen, Realität zu werden, bevor man über sie urteilt.
Eine gute Willkommenskultur bedeutet deshalb mehr als Ankommen. Sie bedeutet, offen zu sein für das, was Menschen mitbringen, sie zu vernetzen und ihnen etwas zuzutrauen. Oder, ganz einfach:
„Schön, dass du wieder da bist. Was hast du vor?“









