San Francisco, Mexiko oder Warburg?
CRISTINA und NIKLAS BRINKMANN, WARBURG

Diese Frage stellten sich Cristina und Niklas Brinkmann als sich 2016 der Nachwuchs ankündigte. Es sollte Warburg werden. Eine Entscheidung die sie bis heute – mittlerweile zu viert – nicht bereuen. Ganz im Gegenteil, wie sie der Rückkehr Agentur im Kreis Höxter erzählten.

                 

Erzählt doch mal ….

Niklas: Ich bin hier in Warburg aufgewachsen und habe an der „Jonny Conny High“ (Johann-Conrad-Schlaun-Berufskolleg des Kreises Höxter in Warburg) mein Fachabitur gemacht. Zum Wirtschaftsrecht Studium hat es mich dann nach Köln gezogen. Im Anschluss habe ich einige Zeit in Düsseldorf in einer Unternehmensberatung gearbeitet. Von dort aus bin ich weiter nach San Francisco und habe meinen Master in International Business gemacht. Dort lebte ich dann in einem horrend teuren, aber sehr schönen 25 qm Apartment, mit Blick auf die San Francisco Bay Area. Dennoch war klar: Einiges Tages gehe ich zurück nach Warburg.

Cristina: Ich stamme aus Mexiko. Meine Heimatstadt Tampico liegt am Golf von Mexiko und war in meiner Jugend Hochburg der Drogenbanden. Kaum ein Tag verging ohne gewalttätigen Zwischenfällen. Meine Eltern, mein Bruder und ich zogen deshalb nach Monterrey, wo es sehr sicher ist zu leben. Für Studium und Summerschool hatte ich dann Auslandsaufenthalte in Frankreich, Holland und Kanada, bevor ich nach San Francisco ging, um wie Niklas International Business zu studieren. Dort lernten wir uns kennen.

 

Was gab den Anstoß zurückzukehren?

Cristina: Ich wurde schwanger und das stellte erstmal alles auf den Kopf. Wir überlegten, wie und wo wir als Familie leben wollten. San Francisco ist als Familie unbezahlbar. Mexiko war uns zu gefährlich.  Also fiel die Wahl auf Warburg. Wohlwissend, dass uns hier Niklas Eltern unterstützen können.

Niklas: Genau, mit der Schwangerschaft wurden die Karten neu gemischt. Ich habe während des Studiums bereits an der Gründung meiner SEO-Agentur Fremont Digital gearbeitet und konnte mir sehr gut vorstellen, Firma und Familie in Warburg zu kombinieren.

 

Wie sieht das Leben in der neuen, alten Heimat wirklich aus?

Cristina: Ruhig und vor allem sicher! Die erste Zeit war ich immer erstaunt, dass sich die Leute und kleine Kinder ganz frei und ohne Angst auf der Straße bewegen. Das kenne ich so aus Mexiko nicht! Mittlerweile fühle ich mich sehr wohl.

Niklas: Der Wunsch, unsere Kinder sicher aufwachsen zu sehen hat sich hier erfüllt. Ich konnte meine SEO-Agentur Fremont Digital aufbauen und wir leben hier nun sehr glücklich mit Familie und Freunden. In Warburg sind wir gern auf dem Tennisplatz und engagieren uns für den Verein.

„Wenn wir unsere Kinder sicher und frei aufwachsen sehen, wissen wir, dass wir alles richtig gemacht haben.“

Was fehlt vom alten Leben?

Niklas: Essen gehen! In San Francisco waren die Angebote an Restaurants nahezu unbegrenzt. Und auch das internationale Umfeld vermissen wir. Unsere Uni in San Francisco war für die internationale Studentenschaft bekannt.
Cristina: An erster Stelle natürlich meine Familie und alte Freunde. Kurz bevor wir von San Francisco nach Warburg gezogen sind, habe ich noch einige Monate Zeit mit meiner Familie in Mexiko verbracht.

Wie holt ihr Euch etwas vom Alten ins neue Leben?

Niklas: Unser Freundeskreis ist auch global verstreut, aber noch gut vernetzt. So gut, dass wir unsere Freunde noch häufig besuchen und so unser Fernweh stillen können. Meine Agentur arbeitet 100 % digital, so kann ich auch bei längeren Auslandsurlauben weiterarbeiten.

Cristina: Wenn wir meine Familie besuchen, dann häufig gleich für mehrere Wochen. Den langen Flug machen die Kinder zwar gut mit, aber es muss sich bei der Strecke auch lohnen.

 

Größter Stolperstein bei eurer Rückkehr?

Niklas: Ganz klar die Bürokratie und die sprachlichen Barrieren. Viele Leute hier haben sich schwer getan mit Cristina auf Englisch zu sprechen. Sicherlich hat es ihr beim Lernen der deutschen Sprache geholfen, aber als Mexikanerin in Warburg erstmal so gar nichts zu verstehen war schon schwer und hat das Ankommen nicht gerade leichter gemacht.

Cristina: Ja genau! Zumal Niklas auch alles für mich regeln musste. Ich erinnere mich noch gut an die Geburt unseres Sohnes. Ich war erst seit 2 Monaten in Deutschland. Es gab einige Komplikationen bei der Geburt und ich habe kaum Deutsch verstanden. Auch gibt es keine spanische Community in der Nähe. Zum Glück war meine Mutter zu dem Zeitpunkt zu Besuch. Das war seelische Unterstützung, die ich in dem Moment sehr brauchte.

Größter Glücksmoment bei eurer Rückkehr?

Niklas: Wenn ich sehe, dass meine Frau angekommen ist. Wenn sie sich mit ihren Mädels verabredet und das Leben hier nun genießen kann.

Cristina: Wenn wir zu viert beisammen sind und die Kinder in Sicherheit draußen spielen können.

Ultimativer Rückkehrer-Tipp?

Niklas: Stellt euch auf den Takt der Heimat ein! Wenn man einmal weg war – und vielleicht sogar ganz andere Kulturen kennengelernt hat – braucht man Zeit sich wieder an hier zu gewöhnen. Man kommt „neu“ wieder. Die Heimat ist aber noch die Heimat. Die Zeit ist hier nicht stehen geblieben, aber wenn man in Metropolen gelebt hat, merkt man wie entschleunigend es hier wirklich ist.

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