Kraut & Rüben
Was ein Acker mit Heimat zu tun hat.

Warum kehren Menschen in den Kreis Höxter zurück? Familie, Natur oder mehr Platz spielen dabei oft eine Rolle. Doch aus einem Wohnort wird nicht automatisch Heimat. Entscheidend ist, was nach der Rückkehr passiert: Finden Menschen Anschluss? Können sie ihre Ideen einbringen? Und erleben sie, dass sie etwas bewegen können? Kai Greupner hat genau diese Erfahrung gemacht. Er engagiert sich im Kulturverein Hembsen e.V. und organisiert gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen das Kraut & Rüben Musikfestival. Was heute Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Region anzieht, beginnt jedes Jahr auf einem einfachen Brachland am Ortsrand. 

Wo wenige Tage zuvor noch ein Acker liegt, entstehen Bühne, Gastronomie und Aufenthaltsbereiche. Dahinter steckt kein professioneller Veranstalter, sondern ein Netzwerk von Menschen, die ihre Freizeit investieren und ihre Fähigkeiten einbringen. Vieles wird organisiert, manches ausgeliehen, anderes gemeinsam aufgebaut. „Unsere Location ist schon etwas Besonderes“, sagt Kai. „Wir sind mitten im Grünen und trotzdem nur wenige Minuten vom Dorf entfernt. Dass wir hier auf einer Wiese ein Festival veranstalten, macht einen großen Teil der Atmosphäre aus.“

Das Kraut & Rüben Musikfestival versteht sich bewusst als unkompliziertes Festival für die ganze Region. Familien kommen genauso wie Musikfans, Freundesgruppen oder Menschen, die einfach einen entspannten Sommertag verbringen möchten. Neben Livemusik gehören regionale Speisen und Getränke, eine offene Festivalatmosphäre und Angebote für Kinder dazu. „Wir wollen kein riesiges Event sein“, erklärt Kai. „Uns ist wichtig, dass sich jeder willkommen fühlt. Viele kommen jedes Jahr wieder und treffen hier Freunde oder lernen neue Menschen kennen. Genau das macht für mich den Reiz aus.“

Gerade dieses Zusammenspiel macht das Festival möglich. „Der Sportverein leiht uns den Grill und die Sonnenschirme, von der kfd bekommen wir die Kaffeemaschine. Viele engagieren sich in mehreren Vereinen. Man kennt sich und unterstützt sich gegenseitig“, erzählt Kai. Was für Besucher selbstverständlich wirkt, ist das Ergebnis vieler Hände, kurzer Wege und einer Gemeinschaft, die Verantwortung teilt. Diese Haltung prägt auch das Programm des Festivals. Von Beginn an war es das Ziel, Musikerinnen und Musikern aus der Region eine Bühne zu geben. In diesem Jahr stammen fünf der sechs Bands aus dem Kreis Höxter und der näheren Umgebung, darunter auch eine Schülerband aus Brakel. Nur der Headliner reist aus Hannover an.

„Wir haben gemerkt, wie viele gute Bands es hier gibt. Oft fehlt ihnen einfach eine Bühne. Die wollten wir schaffen“, sagt Kai. „Es macht Spaß zu sehen, wenn Menschen aus der Region vor einem großen Publikum spielen und zeigen können, was in ihnen steckt.“ Kai kennt auch das Leben in der Großstadt. Während seines Studiums in Köln gehörten spontane Konzertbesuche zum Alltag. Diese Vielfalt vermisst er manchmal. Gleichzeitig hat er festgestellt, dass auf dem Land häufig etwas anderes entsteht. „Natürlich gibt es hier nicht jeden Abend ein Konzert. Aber genau deshalb überlegen die Menschen: Was können wir selbst auf die Beine stellen? Daraus entstehen oft Dinge, die viel persönlicher sind.“

Diesen Anspruch an Selbstwirksamkeit beobachtet auch Julia Handtke, Leiterin der Willkommensagentur. Viele Rückkehrerinnen und Rückkehrer bringen neue Ideen und Erfahrungen mit. Gleichzeitig treffen sie im Kreis Höxter auf Vereine, Initiativen und engagierte Menschen, die offen für Mitwirkende sind. „Wer sich einbringt, lernt schnell Menschen kennen“, sagt Kai. „Man merkt, dass die eigene Idee willkommen ist und dass man gemeinsam etwas schaffen kann. Das ist ein gutes Gefühl.“

Kraut & Rüben Festival

29. August 202, 14:00 – 23:30

KRAUT UND RÜBEN-Musikfestival 2026

 

 

.

Das Kraut & Rüben Musikfestival ist deshalb mehr als eine Kulturveranstaltung. Es steht beispielhaft für eine Form von Heimat, die nicht allein aus Landschaft oder Herkunft entsteht. Sie entwickelt sich dort, wo Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam etwas schaffen. Vielleicht ist genau das eine der besonderen Stärken des Kreises Höxter. Wer zurückkommt, findet nicht nur einen Ort zum Leben. Er findet die Möglichkeit, das Leben vor Ort selbst mitzugestalten.

Und genau daraus wächst oft das, was viele eigentlich suchen: das Gefühl, angekommen zu sein.